Konflikt im Straßenraum Baumwurzeln gefährden Leitungen
Die Idylle könnte schöner nicht sein. Alte und mächtige Bäume machen die Straße in der Wohnsiedlung zu einer Allee. Selbst die Autofahrer scheinen ein wenig mehr Respekt zu haben und nehmen den Fuß vom Gas. Doch unter dem Bürgersteig lauert Gefahr: Die Wurzeln der Bäume bedrohen eine Gasleitung. Ein Konflikt um Sicherheit auf der einen und Wohnqualität auf der anderen Seite ist abzusehen.
Die geschilderte Situation, die auch in Geldern auf so manche Ortslage zutrifft hat Brisanz und zwingt die Stadtwerke Geldern GmbH als Versorger und die Stadt Geldern zum Handeln. Bereits seit Mai 2005 untersucht man mit einem Sachverständigen für die Verkehrssicherheit von Bäumen Baumstandorte im Hinblick auf die Gefährdung von Gasleitungen. Claus van Vorst, Technischer Leiter der Stadtwerke Geldern: „Etwa die Hälfte der Innenstadt sowie die Ortschaften Walbeck, Pont und Veert haben wir bereits überprüft. Bis zum Jahr 2013 soll das gesamte Stadtgebiet untersucht sein.“ Erstellt wird ein Baumkataster, das einen genauen Überblick über die Anzahl der Bäume ermöglicht, von denen die Gefahr von Beschädigungen der Leitungen ausgeht. Gleichzeitig zeigt das Baumkataster auf, welche konkreten Maßnahmen empfohlen werden, um Gefahren abzuwenden. Unterteilt wird in Gefahrenklassen von A1 bis C, wobei die Bäume der Gefahrenklasse A1 das höchste und die der Gefahrenklasse C das geringste Gefährdungspotential darstellen. Nicht weniger als 36 Baumstandorte der Gefährdungsklasse A1 wurden bereits festgestellt. Hier herrscht kurzfristiger Handlungsbedarf. Weitere 97 wurden in die Klasse A2 eingestuft und könnten in zwei bis drei Jahren zum Problem werden.
Heinz-Peter Hanßen, Projektbeauftragter bei den Gelderner Stadtwerken: „Das Katalogisieren der Bäume verschafft uns als Versorger die Möglichkeit, Prioritäten bei den durchzuführenden Maßnahmen zu setzen. Letztlich stellt sich immer die Frage: Muss die Gasleitung weichen oder sind es die Bäume?“ Dabei fällt die Entscheidung keineswegs immer zum Nachteil der Bäume. So erneuerten die Stadtwerke beispielsweise die Leitungen in der Friedrich-Spee-Straße, der Schlossstraße, dem Kerkpad und in der Straße An der Bleiche. Zwischen Baumwurzeln und Gasleitung in der Theodor-Heuss-Straße wurden trennende Schutzplatten eingebaut und die Gasleitung in der Wettener Straße schützt inzwischen ein Flüssigboden vor den Wurzeln der Linden. Claus van Vorst: „Vereinzelt mussten auch Bäume gefällt werden. So zum Beispiel am Walbecker Grenzweg und am Freibad. Grundsätzlich wollen wir die Bäume schützen, aber die Sicherheit muss gewährleistet sein.“
In Abstimmung mit dem Tiefbauamt der Stadt Geldern wurden inzwischen 24 Standorte mit höchster Gefährdung und 53 A-2-Einstufungen entschärft.
Aus künftigen Konfliktstandorten machen Stadt Geldern und Stadtwerke kein Geheimnis. Bis zum Frühjahr 2011 will man die Gas- und die Wasserleitung in der Köln-Mindener-Bahn erneuern. Dennoch stehen hier zwölf Sumpfeichen auf einer Gas-Hochdruckleitung. Hier suchen die Beteiligten zunächst das Gespräch mit den Anliegern. An der Max-Planck-Straße bedrohen 25 Eichen und Ahornbäume die Gasleitung. Hier wird die Leitung neu verlegt. Die Bäume bleiben erhalten. Im Veerter Baugebiet am Petersfeld gibt es 20 Bäume, die Probleme bereiten. Hier sind Leitungsumlegungen und vereinzelte Baumfällungen in den Straßen Am Neray, Am Stickeshof und Am Booshof geplant.

Wird die Sicherheit der Gasleitung durch Baumwurzeln beeinträchtigt? Heinz-Peter Hanßen von den Gelderner Stadtwerken (links) und Michael Panis von der städtischen Grünflächenabteilung überprüfen einen Standort an der Max-Planck-Straße in Geldern.







